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Projektfähigkeit

Auf der Basis des Projektintelligenz-Begriffs, den Bernhard M. Scheurer bereits 2002 in „Planen Wagen Gewinnen“ (s. u.: Literaturhinweise) einführte, definiert er in seinem neuen Buch „Projektherz – Das Handwerk der Inspiration“ (s. u.) die Projektfähigkeit als eine Art von Team-Intelligenz. Und zwar geht es um die Fähigkeit einer Gruppe von Menschen, „originelle Ideen zu entwickeln, diese auf ihren praktischen Nutzen hin zu untersuchen und sie gegebenenfalls in Form eines Projekts umzusetzen“, kurz: die Projektintelligenz der Gruppe.

Angenommen, wir haben eine Gruppe von n Personen, wobei n eine ganze Zahl von 2 bis 10 ist. Nehmen wir ferner an, dass für alle Gruppenmitglieder die individuellen Werte der herkömmlichen Intelligenz (IQ) und der emotionalen Intelligenz (EQ) vorliegen, also: IQ1, IQ2, … IQn und EQ1, … , EQn. Dann sind gemäß der Definition von Projektintelligenz (PI) auch die individuellen PI-Werte bekannt:

PI1 = 0,01 EQ1 IQ1
PI2 = 0,01 EQ2 IQ2
usw.

Als Maß für die Projektfähigkeit der betreffenden Gruppe schlägt Scheurer in diesem Fall den folgenden Wert vor:

PF = 102-2n PI1 PI2 PIn

Die Zehnerpotenz 102-2n wird hierbei, ähnlich wie bei der PI-Formel, nur verwendet, damit sich ein PF-Mittelwert von 100 ergibt.

Entscheidend bei der obigen Gleichung ist, wie schon bei der PI-Formel, die Multiplikation. Der entsprechende Effekt lässt sich anhand der vier Projektarchetypen (Hase, Gans, Fuchs, Adler) veranschaulichen: Ein einziger „Adler“ zieht die Projektfähigkeit einer Gruppe enorm nach oben. Anders gesagt: Zum Multiplikator im positiven Sinne werde ich in einer Gruppe, wenn mein PI-Wert deutlich über 100 liegt. Umgekehrt zieht ein „falscher Hase“, also ein Intrigant oder Miesmacher, mit seiner stark unterdurchschnittlichen Projektintelligenz das PF-Gruppenniveau drastisch nach unten.

Allerdings bleibt noch zu klären: Erzielen Projektteams, deren PF-Wert deutlich über dem Durchschnitt liegt, auch signifikant bessere Ergebnisse als solche mit einem durchschnittlichen PF-Wert? Ähnlich wie beim Projektintelligenz-Konstrukt ist bei der Formel für die Projektfähigkeit demnach eine gewisse Skepsis geboten. Vor allem deshalb, weil die Menge der ins Spiel kommenden Faktoren, sprich: Teilintelligenzen, mit der Anzahl der Gruppenmitglieder steigt. Für größer werdendes n stellt sich die Frage: Ist der Multiplikator-Effekt, also der Einfluss des einzelnen Gruppenmitglieds, dann wirklich noch so groß wie bei einer dreiköpfigen Gruppe?

Zusammenfassend lässt sich sagen: Mit dem Modell der „Projektfähigkeit“ wird, ausgehend vom Projektintelligenz-Begriff, der Versuch unternommen, die Komplexität des untersuchten Gegenstands zu reduzieren und Orientierungshilfen für die Praxis zu geben, insbesondere bei der Auswahl von Mitarbeitern und der Zusammenstellung von Projektteams. In „Projektherz“ (s. u.) findet man hierzu eine Reihe von Tipps und Fallbeispielen.

 

Literaturhinweise:

 

 



© Bernhard M. Scheurer